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Bahnradsport in Köln hat Tradition...

Der Blick zurück in die lange Geschichte des Kölner Bahnradsport richtet sich zunächst auf die Riehler Radrennbahn. 1895 fanden hier die ersten Bahnradsport-Weltmeisterschaften statt. Über Jahrzehnte war sie die wichtigste Kölner Bahn und wurde vorrangig für Steherwettbewerbe genutzt. Als Winterbahn diente die Rheinlandhalle in Köln-Ehrenfeld und später die Kölner Sporthalle (ab 1958).

Das bedeutendste Velodrom war die Müngersdorfer Radrennbahn, die 1923 eröffnet wurde. 1927 fanden hier zum zweiten Mal in Köln Weltmeisterschaften statt. Damals hatten in Müngersdorf mehr als 20.000 Zuschauer Platz. Besonders begeisterten sie Rennen mit Lokalmatadoren wie Matthias Engel, Peter Steffes, Gottfried Hürtgen, Paul Oszmella, Toni Merkens und Albert Richter, deren Namen über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt waren.

Matthias Engel wurde 1927 Amateurweltmeister der Flieger (Sprint über 1.000 m). Toni Merkens errang in der selben Disziplin 1936 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Berlin.

Einer der ganz Großen war Albert Richter, der 5 Jahre nach Engel in Rom den WM-Titel bei den Amateurfliegern gewann.

Von 1933 bis 1939 war er ununterbrochen Deutscher Meister; 1934 und 1935 erreichte er bei den Weltmeisterschaften jeweils den 2. Platz.

Aber Albert Richter war nicht nur ein umjubeltes Sportidol der 30er Jahre, Albert Richter war auch ein Mensch mit Charakter. Er verstieß gegen die Regeln des Nazi-Regimes.

So verweigerte er des öfteren bei Siegerehrungen den unvermeidlichen "Hitler-Gruß". Auch stand er bis zuletzt zu seinem jüdischen Betreuer und Freund Ernst Berliner.

Zunehmend unter Druck gesetzt, versuchte Richter im Dezember 1939 Deutschland mit dem Zug zu verlassen. An der Grenze wurde er von der Gestapo verhaftet und kurze Zeit später tot in seiner Zelle aufgefunden, vermutlich ermordet.

Nach dem Kriege erlebte die Müngersdorfer Radrennbahn eine zweite Blütezeit - Steherrennen lockten bis zu 25.000 Zuschauer auf die Ränge. Kölner Lokalmatadoren wie Gustav Kilian, Jean Schorn, Wilfried Peffgen und Jean Breuer feierten hier ihre Erfolge. 1954 fanden hier zum 3. Mal in Köln Weltmeisterschaften statt. An gleicher Stelle in Müngersdorf steht heute die 1996 fertiggestellte "Albert-Richter-Bahn", das Radstadion Köln.


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